Unterwegs: Immer mehr Männer machen sich auf den Weg

Warum Männer gut daran tun, sich ihrem Inneren zuzuwenden

«Unterwegs…»: Das wurde zum Sinnbild meiner Reise, während der ich 2015/16 während neun Monaten durch die Welt bummelte. Wobei bummeln eigentlich nicht das treffende Wort ist: Die Zeit, in der ich ohne genaue Pläne, mit Rucksack und teilweise Zelt, durch neun verschiedene Länder reiste, war weitaus mehr als «nur bummeln». Die äusserlichen kleinen und grossen Abenteuer führten mich in verschiedenen Etappen näher und tiefer zu mir als Mensch und als Mann. Es wurde eine Lebens-Reise der ganz besonderen Art.

 

Blicke ich heute in mein Umfeld, hin zu Freunden und Bekannten − und ich betrachte an dieser Stelle nur die Männerwelt − dann wird mir dabei leicht mulmig: Fast ausnahmslos alle mir bekannten Männer sind in ihrem Leben voll ausgefüllt. Sogar einige, die in Pension sind. Ausgefüllt meint nicht unbedingt erfüllt, sondern eher voll. Oder etwas prägnanter ausgedrückt: Sie sind überlastet. Manche stehen unter Stress, sind am Anschlag. Einige sind sich das bewusst und können trotzdem nichts ändern. Weil es das Umfeld nicht zulässt. Meinen sie. Die meisten drehen sich im Rad und merken gar nicht, was nächstens passieren könnte: Mehrere Männer stehen mit einem oder bereits mit beiden Beinen auf der anderen Seite der Gesundheitslinie. Einige Beziehungen unterliegen massiv einem Belastungstest. Oder scheitern gerade. Die Anforderungen in Job, Familie, Beziehung und überhaupt, sie steigen trotzdem stetig weiter. Und keiner reagiert, schreit Stopp oder unternimmt etwas Wesentliches, das Veränderung schafft. Mann schaut zu. Oder erwacht erst dann, wenn es zu spät ist: In unregelmässigen Abständen bringt der männliche Körper einen nach dem anderen in waagrechte Position oder zum Einbruch. Sei es durch Krankheit, Unfall und gerade aktuell mehrfach, durch Burn-out. Dann wird plötzlich alles anders…

 

Selber auch erwischt

Ich hatte Glück − mindestens teilweise: Um als Hotelier erfolgreich zu sein, bleibt oft nur der Weg des Workaholics. Zu vielfältig sind in diesem Business die Aufgabengebiete, um diese ohne Stress und nur mit Lockerheit zu bewältigen. Beruflich gelang es mir meist, recht gut unterwegs zu bleiben. Gesundheitlich kam ich mit einigen Streifschüssen knapp davon. Persönlich merkte ich viel zu spät, dass ich meine Beziehung, meine Ehe und damit meine Familie auf’s Spiel setzte. In meinem Leben war es vor sechs Jahren dieser schmerzliche Einbruch, der mich unsanft aufwachen liess und in eine grosse Lebenskrise stürzte. Und trotz allem war da irgend wo Gnade, nicht bodenlos zu fallen. Das Leben führte mich auf einen neuen Weg, auf meinen persönlichen Lebensweg, auf dem ich mir immer öfter und immer tiefer selber begegne. Für diesen Teil bin ich heute meiner Ex-Frau für ihren Ausbruch dankbar. Seither bin und bleibe ich in Bewegung, bin unterwegs. Das macht mein Leben nicht nur spannend und abwechslungsreich, es erfüllt und beschenkt mich immer wieder von Neuem. 

 

Mann macht sich auf den Weg

Ob Hotel, Werkstatt, Soziales, Gesundheitswesen, Logistik, Pädagogik, Industrie, Bürojob oder wo auch immer du arbeitest: Wo liegt für uns Männer ein Ausweg aus dem Hamsterrad? Laufen wir allesamt nächstens auf Grund? Nein, keineswegs! Es gibt Hoffnung. Immer mehr Männer wachen auf, übernehmen Verantwortung für ihr Leben, für ihre Geschichte, für ihren Anteil an der Beziehung, am Familienleben. Am Stress, am Erfolg und Misserfolg. An ihrer Gesundheit oder am Kranksein. Und oft noch zaghaft, aber immer mutiger: Für sich selber. Männer machen sich auf den Weg, suchen nach neuen Routen, finden sich, schliessen sich zusammen: Hier in der Schweiz und nach meiner Wahrnehmung schon etwas mehr in Deutschland.  Unterwegs − vielleicht noch allein oder bereits gemeinsam mit anderen Männern: Das könnte ein Anfang, eine Lösung für unsere Männer-Gesellschaft sein. Damit meine ich eine andere Qualität, als die Männergruppen im Sport, im Verein oder am Stammtisch. Diese Begegnungen haben durchaus meist einen hohen Wert und sind besser, als wie ein einsamer Wolf im Leben unterwegs zu sein. Aber es gibt noch eine andere Qualität in Männer-Begegnungen: Gerade habe ich das Abendessen mit einem meiner Freunde  genossen. Gespräche über uns, unser Unterwegssein, unsere Beziehungen, unsere Ängste, unsere Pläne und das, was uns umtreibt. Das nährt mich, gibt mir neuen Mut: Für Morgen und die Zeit, bis wir uns wieder treffen. Und falls dazwischen etwas nicht rund läuft, dann weiss ich, da gibt es ein paar Männer, die mir viel bedeuten. Die ich jederzeit anpingen kann. Die dann da sind, ehrlich, direkt, mutmachend. So wie ich für sie auch. Diese Beziehungen, diese Freundschaften würde ich nicht mehr hergeben. 

 

Wo stehst du Mann? 

Bist du in Bewegung, unterwegs in deinem Leben? Oder bist du erstarrt, findest dich bei den Männern, denen langsam alles zuviel wird? Vielleicht bist du schon erschöpft, etwas ändern geht auch nicht, weil es für dich dann endgültig zu viel ist? Falls du jetzt einen ersten Schritt machen willst, findest du hier ein Arbeitspapier, das dich durch ein paar zentrale Standortfragen führt. Dazu braucht es nicht mehr, als einen Stift und deine Zeit, die du dir selber schenkst. Und den Mut, dich dir selber gegenüber zu öffnen. Ohne Ausreden und Schönfärberei gelten zu lassen. Mach dich auf den Weg − jetzt! 

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